12.03.2019

Goldpreis – Typische Frühjahrs-Korrektur oder doch die 5.Welle?

 

Nachdem sich der Goldpreis ab Mitte August bis Ende Februar von 1.160 US-Dollar bis auf 1.346 US-Dollar nachhaltig erholen konnte, kam es in den letzten drei Wochen zu einem deutlichen Rücksetzer.

Mit dem Bruch der Unterstützung um 1.320 US-Dollar gelang den Bären dabei nach langer Pause wieder einer der für den Goldmarkt leider typischen wasserfallartigen Ausverkäufe. Erst bei 1.281 US-Dollar wurde, zumindest vorübergehend, ein Boden gefunden. Im Zuge des katastrophalen US-Arbeitsmarkt Berichts konnte sich der Goldpreis dann am vergangenen Freitag wieder in Richtung 1.300 US-Dollar erholen.

Das technische Bild bleibt aktuell aber angeschlagen. Ein weiterer Anstieg bis zur entscheidenden Widerstandszone um 1.350 bis 1.375 US-Dollar ist längerfristig zwar sehr wahrscheinlich, charttechnisch im kurzfristigen Bild aber (noch) nicht abzulesen.

Goldpreis in US-Dollar Tageschart – Zwei Szenarien

Tatsächlich kam es am Goldmarkt zu dem vor vier Wochen angekündigten Finale. Allerdings fiel das Ganze jedoch sehr kurz und überschaubar aus.

Mit 1.346 US-Dollar hat der Goldpreis dabei mehr oder weniger das Kursziel von 1.350 US-Dollar abgearbeitet. Die vor zwei Wochen geäußerte Vermutung, dass die Korrektur bereits oberhalb von 1.300 US-Dollar enden sollte, war hingegen eindeutig zu optimistisch.

Im größeren Bild sollte es klar sein, dass Gold nach einer über sechs Monate währenden Aufwärtsbewegung nun durchaus auch wieder mehrere Monate lang korrigieren kann. Das würde gut zum saisonalen Muster passen, wodurch es möglicherweise bis in den Sommer (ca. Juni bis August) hinein zu einem undurchsichtigen und irritierenden korrektiven Abwärtstrend kommen könnte.

Alternativ gelingt den Bullen in den kommenden zwei Monaten zunächst doch noch eine weitere Aufwärtswelle. Dies wäre dann die möglicherweise noch fehlende fünfte Welle, welche vor allem den Silberpreis deutlich nach oben schieben könnte.

Die Wahrscheinlichkeiten für dieses bullische Szenario sind mit dem starken Rücksetzer und der bis gestern bärisch eingebetteten Stochastik allerdings nicht sehr hoch. Nur ein nachhaltiger Wochenschlusskurs oberhalb von 1.320 US-Dollar würde dieses bullische Szenario bestätigen.

Andernfalls müsste der Goldpreis zunächst zwischen 1.275 und 1.320 US-Dollar hin- und herschwanken, bevor es dann ab Mai vermutlich eine oder zwei Etagen tiefer gehen sollte.

Das Hauptziel der Korrektur ist mittelfristig in jedem Fall die seitwärts verlaufende 200-Tagelinie (1.246 US-Dollar), welche momentan noch recht deutlich unterhalb des aktuellen Preisgeschehens notiert. Darüber hinaus ist auch ein noch stärkerer Ausverkauf bis in die Unterstützungszone 1.205 bis 1.215 US-Dollar nicht ganz unwahrscheinlich.

Erwähnenswert sind nun endlich wieder die CoT-Daten zur Positionierung am Papiergoldmarkt der Comex in New York (Commitment of Trades Report). Diese werden eigentlich wöchentlich von der US-Behörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) veröffentlicht.

Durch den wochenlangen Stillstand (government shutdown) in den USA wurde die Veröffentlichung dieser aufschlussreichen Daten jedoch vorübergehend eingestellt und erst in den letzten Wochen schrittweise wieder zur Verfügung gestellt. Mit dem am letzten Freitag veröffentlichten Report gibt es nun erstmals seit längerer Zeit wieder die Möglichkeit, die Konstellation am Gold Terminmarkt zumindest halbwegs aktuell zu analysieren.

Demnach hat die monatelange Aufwärtsbewegung bislang nicht zu einer dramatischen Konstellation am Gold Terminmarkt geführt. Vielmehr kann man die zuletzt gemeldete Short Position der kommerziellen Händler (Profis) in Höhe von 113.997 leer verkauften Terminkontrakten als neutral bis leicht positiv einstufen.

Eine stark übertriebene Spekulation lag offensichtlich auch am kürzlich erreichten Top (1.346 US-Dollar) wohl noch nicht vor. Der aktuelle CoT-Bericht steht einer möglichen fünften Aufwärtswelle derzeit also nicht entgegen.

Insgesamt betrachtet sollten wir uns ab jetzt jedoch grundsätzlich auf die übliche saisonale Schwächephase einstellen. Physische Zukäufe machen auf dem aktuellen Niveau noch keinen Sinn. Vermutlich wird uns der Goldpreis erst wieder zwischen Juni und August unterhalb von 1.250 US-Dollar eine antizyklische Kaufchance liefern.

Versierte und erfahrene „Swing-Trader“ können jedoch mit relativ engem Stopp (1.275 US-Dollar) eine Wette auf eine mögliche fünfte Welle (Kursziel ca. 1.255 – 1.275 US-Dollar) riskieren. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist zwar nicht herausragend gut, mit ca. 1 zu 2,5 aber noch halbwegs akzeptabel.

 

 

In Euro gerechnet konnte der Goldpreis in den letzten fünf Monaten ebenfalls deutlich zulegen. Das Hoch wurde am 20.Februar bei 1,186 Euro erreicht. In der Folge kam es zu einem überfälligen und bislang noch gesunden Rücksetzer.

Ausgehend von 1.133 Euro kämpfen sich die Bullen bereits wieder nach oben. Allerdings ist der monatelange Aufwärtstrendkanal durch den brachialen Rücksetzer in der zweiten Februarhälfte zerstört worden. Damit ist momentan ähnlich wie beim Gold in US-Dollar unklar, ob die übergeordnete notwendige Korrektur bereits begonnen hat oder ob die Bullen zuvor doch noch ein weiteres Hoch erzielen können.

Solange sich der Euro-Goldpreis um die 50-Tagelinie (1.146 Euro) halten kann, bleibt das bullische Szenario auf dem Chart. Zudem hat die Stochastik ein neues Kaufsignal generiert und lässt zumindest für die nächsten Tage eine Fortsetzung der Erholung erwarten. Unterhalb von 1.130 Euro sind alle bullischen Optionen zunächst vom Tisch und die Korrekturen wird ihren weiteren Lauf nehmen.

Antizyklisches Kaufchance nur bei Rücksetzer an die 200-Tagelinie

 

Alle im letzten Jahr empfohlenen Kauflimits liegen weiterhin klar im Plus. Die nächste antizyklische Kaufchance ist allerdings noch nicht in Sicht. Diese wäre erst wieder bei einem Rücksetzer an die weit entfernte 200-Tagelinie (1.084 Euro) gegeben. Gold bleibt daher eine Halteposition.

Bitte erwarten sie grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen sie sich nochmals klar, dass es sich bei Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!

Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.

©Florian Grummes & Gold.de

Quelle: Gold.de

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